Defibrillator, Halbautomat, AED

Wenn es auf jede Sekunde ankommt …

Der plötzliche Herztod gilt nach wie vor als Todesursache Nummer 1. Ein schnelles Reset des Herzens nach seinem Stillstand kann durch Defibrillatoren erzielt werden. Auf EU-Ebene wird deren Einführung auf Binnenschiffen derzeit geprüft

Herzkammerflimmern, Herzstillstand. Tritt das ein, muss schnell gehandelt werden. »Umso schneller das passiert, desto größer sind die Chancen des Patienten«, weiß ein Feuerwehrmann der Berufsfeuerwehr Duisburg. »Da darf
 keine Zeit verschenkt werden«, betont auch ein Rettungssanitäter des DRK. Beide begrüßen, dass im öffentlichen Raum immer häufiger Defibrillatoren zu finden sind. Was aber geschieht an Orten, wo der »Defi« noch nicht üblich 
ist, oder an abgelegen Stellen, die auch der Retter so schnell nicht erreicht? Eine Fra
ge, mit der sich zurzeit die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) befasst. Auf EU-Ebene wird geprüft, inwiefern Defibrillatoren Standard auf Binnenschiffen werden sollten.

Schon im Jahr 2014 hat die Gemeinsame Arbeitsgruppe der ZKR und der Europäischen Union einen Entwurf der technischen Anforderungen für die Defibrillatoren (AED) an Bord von Passagierschiffen in der Binnenschifffahrt entwickelt. »Dieser Vorschlag sollte bald für die Schifffahrt zur Konsultation vor- gelegt werden. Dann könnten die politischen Entscheidungen in Bezug auf die Einführung solcher Anforderungen im Rahmen der Rheinschiffsuntersuchungs- ordnung und in der einschlägigen EU- Richtlinie aufgenommen werden«, sagt Benjamin Boyer von der Zentralkommission.

Eine Planung, die bei den professionellen Rettern auf Zustimmung stößt. Schließlich komme es bei einem Herzkammerflimmern auf jede Sekunde an. »Da sind Defis, die auch der Laie bedienen kann, richtig sinnvoll«, sind sie sich einig. Diese neuen Geräte, merkt der Feuerwehrmann an, führen denjenigen, der sie bedient, ganz simpel durch das Programm. »Das Gerät erkennt auch, wenn es sich nicht um einen Infarkt handelt«, ergänzt er. Auf dem Fluss, sagt er, »kann so ein AED ein echter Lebensretter sein.«

Markus Marquardt von der Erste-Hilfe- Schule Hamm ist privat wie auch beruflich mit der kritischen Situation auf den Wasserstraßen vertraut. »Es dauert viel zu lange bis man bei einem Notfall an Land anlegen kann und es dauert noch länger bis Rettungskräfte das Schiff erreichen können. Deshalb ist die Ausbildung von Ersthelfern so bedeutend für die Schifffahrt, bei dem wir die Herzlungen-Wiederbelebung und den Einsatz mit Defibrillatoren üben.« Dabei gehe es nicht nur um die Belegschaft auf einem Binnenschiff. Bei den Familienunternehmen gehe es um die Sicherheit für die Ehefrau und Mutter oder den Ehemann und Vater oder die Tochter und den Sohn. »Für alle gilt, ein Schiff sollte herzsicher sein«.

Das Unternehmen »mekontor«, das solche Defibrillatoren vertreibt, hat seinen Sitz in Duisburg Ruhrort – mit Blick auf den Rhein. »Was passiert eigentlich in so einem Notfall auf einem Rheinschiff?« Diese Frage habe ihn beim Blick auf die vorbeiziehenden Binnenschiffe bewegt, sagt Geschäftsführer Achim Schmitz. Heute werde so viel Geld für Technik und Sicherheit ausgegeben, »da sollte man auch die Todesursache Nummer 1 im Blick halten. Und das ist unverändert der plötzliche Herztod.« »Mit jeder Minute nach einem Herzstillstand sinkt die Überlebenschance um 12 %, weiß Schmitz aus Statistiken.« Nach drei bis fünf Minuten würden die Gehirnzellen beginnen, abzusterben. Das Herz brauche eben so zügig wie nur irgend möglich ein Reset, einen Neustart. Im Klartext: »Je schneller die Defibrillation durchgeführt werden kann, ums so größer ist der Erfolg.« Bis Rettungsdienst und Sanitäter vom Land aufs Schiff gelangen, vergingen dagegen wichtige Minuten. »Daher ist es absolut überlegenswert, dass Wiederbelebungsmaßnahmen via Defi zur Pflicht werden«, so ein Rotkreuzler. Das, so Schmitz, könnte dann auch in anderen Bereichen Schule machen, »überall da, wo die Retter nicht binnen weniger Momente da sein können.«